Thank you for travelling

Kündigung des „BahnCard 50 – 2. Klasse“ Abonnements, Nummer  7081 XXXX XXXX XXXX

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten 18 Monaten bin ich aus privaten Gründen regelmäßig von Bremen nach Berlin per Zug gependelt, vorranging geschah dies an den Wochenenden. Im Laufe dieser Zeit habe ich sehr viel über die Deutsche Bahn gelernt.

Als Mensch, der großen privatrechtlich organisierten Staatsunternehmen generell Skepsis entgegenbringt, war mir durchaus bewusst, dass ihre Aussagen bezüglich einer Aufarbeitung der letztjährigen Zwischenfälle, bedingt durch „Fehlfunktionen“ der Klimaanlagen in Zügen, in denen mehrere Menschen in Ihren ICEs klimatisch bedingt gar kollabierten, (vgl. Spiegel Online unter http://spon.de/ac7NP) womöglich wenig aussagekräftig und ohne Hintergrund und Bestand sein könnten.

Gemäß diverser Aussagen aus dem letzten Jahr war mir bereits vor der gestrigen (Sonntag, 05. Juni 2011) Abreise aus Berlin klar, „dass die Klimaanlagen in den ICE-1- und -2 nur bis 32 Grad einwandfrei laufen, danach kühlen sie nicht mehr richtig.“ (vgl. Spiegel Online unter http://spon.de/ac7YR). Da die Thermometer jedoch sowohl in meinem Handy, als auch an diversen anderen Messstellen in Berlin sowie im Internet unter http://www.wetter.com Temperaturen um die 29°C (und somit weniger als 32°C) zeigten, erwarb ich im Laufe des Vormittags ein Ticket auf Ihrer Webseite.

Regelmäßig schaute ich vor Antritt der Reise zum Bahnhof Berlin Südkreuz mit der S-Bahn (welche in Berlin ebenfalls von Ihnen „betrieben“ wird) auf Ihrer Webseite nach, ob womöglich das Wetter Einfluss auf meine Abreise mit dem ICE nach Hamburg (Hauptbahnhof) um 16:09 Uhr haben könnte. Erfreulicherweise wies Ihre Webseite keinerlei Änderungen für diesen Zug, vorherige und nachfolgende Züge aus. Lediglich der scheinbar allgegenwärtige Hinweis, dass wegen „voraus. starker Nachfrage eine Sitzplatzreservierung empfohlen“ sei, zierte die elektronische Fahrplanauskunft. Selbstverständlich hatte ich diesen Hinweis befolgt und für unglaubliche 2,50€ einen Anspruch auf einen Sitzplatz erworben.

Als „Vielreisender“ der Deutschen Bahn war ich dann nur wenig erstaunt, als bei meiner Ankunft am Südkreuz der ICE 1100 von Berlin Südkreuz nach Hamburg Altona, mit ca. 10 Minuten Verspätung angekündigt wurde. Ein wenig verwunderlich war jedoch die Tatsache, dass direkt nach verspäteter Ankunft des Zuges mehr als die Hälfte des Zugpersonals in unmenschlicher Geschwindigkeit den Zug und das zugehörige Gleis verließen. Das verbliebene Personal hinderte dann im Laufe der nächsten 15 Minuten die wartenden Reisenden am Einsteigen in den jüngst eingetroffenen Zug. Begründet wurde dies durch „technische Probleme mit der Klimaanlage“. Vermutlich würde man den Zug nicht besteigen und nach Hamburg reisen können, man möge aber bitte auf die Service-Techniker warten. Nach über 20 weiteren Minuten, in denen noch mehr Bahnpersonal den Zug und folgend auch den Bahnsteig verließ, wurde die „Information“ verbreitet, dass der ICE 1100 wegen Ausfalls der Klimaanlage die Rückfahrt nach Hamburg nicht antreten könne.

Mir stellt sich hier insbesondere die Frage, warum in über 40 Minuten Wartezeit immer wieder nur eine Verzögerung der Abfahrt angekündigt wurde, statt den sichtlich ermüdeten Reisenden direkt mitzuteilen, dass ein Ausweichen auf andere Züge unvermeidlich ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn bereits vor Ankunft des ICE 1100 auf den Anzeigen darüber informiert wird, dass die Klimaanlage in mehr als einem Waggon ausgefallen ist. Leider scheint die Deutsche Bahn in einer vollkommen vernetzten und digitalisierten Welt nicht in der Lage zu sein, z.B. über ein Telefon oder Funkgerät, eine Obrigkeit zu informieren, damit notwendige Maßnahmen eingeleitet werden. Vielmehr werden Reisende und damit Kunden unnötigerweise vertröstet und deren Bedürfnisse schlicht ignoriert.

Bedauerlicherweise musste ich im weiteren Verlauf der Rückreise eigenhändig nach einem Ersatzzug Ausschau halten und meine Wahl fiel auf den ICE 892, Abfahrt 17 Uhr, ebenfalls am Südkreuz in Berlin. Da ich zuvor im Internet bereits gesehen hatte, dass auch für diesen Zug wegen „voraus. starker Nachfrage eine Sitzplatzreservierung empfohlen“ wurde, schwand meine Hoffnung auf einen Sitzplatz in jenem Zug, hatte ich doch für den ausgefallenen ICE extra einen Anspruch auf einen solchen käuflich erworben.

Wie zuvor befürchtet, war offenbar jeder Sitzplatz in dem ICE 892 ausgebucht. Meine Wenigkeit, sowie die weit über 100 anderen Fahrgäste, welche dank des Ausfalls des ICE 1100 ebenfalls einen Ersatzzug suchen mussten, drängten uns noch am Südkreuz in den ICE. Bei Ankunft am Berliner Hauptbahnhof wurde der Zug dann bis zur Unermesslichkeit mit Personen aufgefüllt. Nicht nur stiegen die Personen ein, die zuvor sämtliche Sitzplätze reserviert hatten und somit belegten, sondern auch all jene, die dank des Ausfalls von ICE 1100 keine anderweitige Ausweichmöglichkeit hatten.

Erfreulicherweise kann ich Ihnen versichern, dass die Freiräume in einem ICE Zug problemlos ausreichen, um geschätzte 100% mehr Fahrgäste zu befördern, als Sitzplätze vorhanden sind. Denn interessanterweise ist es manchen Menschen (mit entsprechenden körperlichen Eigenschaften) möglich, im Gang zwischen regulären Sitzen sogar noch nebeneinander Platz zu finden. Auch die Beschränkung der Abteile auf 6 Reisende kann getrost aufgehoben werden, mindestens 8-10 Personen lassen sich dort (mitunter) „schmerzfrei“  unterbringen.

Wenig Verständnis kann ich der Deutschen Bahn AG allerdings entgegenbringen, wenn es nicht gelingt, einem verspäteten und grenzenlos überfüllten Zug ein freies Gleis in Hamburg zur Verfügung zu stellen. Angesichts „belegter Gleise“, zu 100% überfüllten Gängen und Abteilen, teilweisem Versagen der Klimaanlage und der weltweit sicherlich einzigartig inkompetenten Informationspolitik stellt sich mir die Frage, wie viel Sarkasmus, Spott und Hohn in den Worten „wir wünschen eine angenehme Reise“ stecken mögen.

Aus oben genannten und ausgeführten Gründen kündige ich hiermit schriftlich und fristgerecht mein Abonnement der „BahnCard 50 – 2. Klasse“ bei Ihnen. Meine BahnCard Nummer lautet 7081 XXXX XXXX XXXX.

Ich bitte Sie, von dem Versuch mich mit Reisegutscheinen der Deutschen Bahn zu entschädigen abzusehen. Zukünftig werde ich, wann immer es mir möglich ist, auf eine Reise mit der Deutschen Bahn zu verzichten und stattdessen lieber mit einem (zur Not gemieteten) PKW oder per Flug durch Deutschland zu reisen. In vielen Fällen ist dies bedeutend billiger und der Reisekomfort gegenüber Zügen der Bahn deutlich erhöht.

Des Weiteren möchte Ich Sie bitten, mir diese Kündigung schriftlich zu bestätigen und freue mich auf eine maschinell erstellte Antwort von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

koddistortion

1 thought on “Thank you for travelling

  • /sign

    Ich bin Gott sei Dank nur drei Monate gependelt, jedoch reichte mir dieses schon aus, in dem „so harten“ Winter, als jede zweite Tür defekt und jeder dritte Wagen nicht eingesetzt werden konnte. Von Reservierungen und Pünktlichkeit gar nicht zu sprechen. Aber ich kann alles so nachempfinden.

      (Quote)

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