Abschluss der Metamorphose

Richtig. Bei der angesprochenen Metamorphose handelt es sich selbstverständlich nicht um jene, welche den Ab- und Aufbau von Becherkristallen in der Schneeforschung bezeichnet. Vielmehr geht es um die Verwandlung eines naiven, faulen Studenten mit Scheinbedarf in einen, naiven, faulen Studenten ohne Scheinbedarf. Denn seit Dienstag letzter Woche, ca. 10:45 ist es amtlich. Ich habe alle benötigten Scheine und mündlichen Prüfungen zusammen um endlich richtig Faulenzen zu können.

Aber fangen wir lieber langsam an. Wie aus dem vorherigen Beitrag noch zu erahnen ist, habe ich mich mit der Anhäufung von Wissen bezüglich den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz (gelesen an der Universität Bremen) durchaus schwer getan. Nachdem ich mich jedoch vorletzten Dienstag dazu durchringen konnte endlich mit dem Lernen zu beginnen, gab es in den ersten 2-3 Tagen durchaus kleine Erfolge. Die Notizen wuchsen schnell auf 10 DIN-A4 Seiten an und ich konnte mir (unfassbarerweise) tatsächlich einige Begrifflichkeiten merken. Bereits am Donnerstag und vor allem im Verlauf des Freitags jedoch verließ mich immer mehr die Motivation und die Notizen wollten die 28ste Seite nicht überschreiten. Das vor der Prüfung gelegene Wochenende nutzte ich zum Entspannen und tat folgerichtig absolut nichts für die Uni bzw. KI. Am Montag dann war ich von Nervosität gezeichnet und konnte kaum noch eine ruhige Minute finden, da mir beim Gedanken an spezielle Teilgebiete immer wieder auffiel, dass ich scheinbar nur oberflächliches Wissen hatte.

Am Tag der Wahrheit, Dienstag den 20.03.2007 kam es um 10:23 jedoch ganz anders. Nachdem ich mich vorab nett mit dem Tutor Sven Werner unterhalten hatte, kam irgendwann dann Ubo Visser wieder (er vertrat an diesem Tag ADL bzw. Thorsten). Anfänglich stand ich kurzzeitig auf dem Schlauch, da die mündliche Prüfung wie folgt begann: „Wir haben ja im Semester ein paar Themen behandelt. Such dir mal einfach eines davon aus und erzähl mir etwa 5 Minuten darüber“. Womit fängt man an, wenn man so etwas gefragt wird. Ich dachte: wählt man ein einfaches Thema, fragt er danach was kompliziertes. Wählt man ein kompliziertes Thema, hat man (in diesem Fall ‚ich‘) sowieso schon verloren. Bevor ich mir das richtig überlegt hatte, waren auch schon 5 Minuten vorbei, in denen ich alles ausplapperte, was mir zu informierten und uninformierten Suchstrategien einfiel (die lokalen Suchen hab ich sogar ausgelassen). Von meiner Redegeschwindigkeit sichtlich beeindruckt unterbrach Ubo mich dann nach etwa 5 Minuten und meinte kurz und knapp etwas wie: „ok, das war ein sehr weiter, tiefgehender Überblick. Sehr schön. Logik“.

Hier wollte er wissen, wie eine Formel in Aussagenlogik aussieht, was ein Modell ist, wie viele Modelle es für A v B gibt und solche Kleinigkeiten. Nachdem ich ihm noch erzählt hatte, dass es neben Wahrheitstafeln auch Hornbrandformeln existieren, die es einem ermöglichen die Entscheidbarkeit von Formeln zu bestimmen, schwenkte er dann auf Prädikatenlogik um und wollte wissen, was der Unterschied ist. Ich faselte etwas vor mich hin und erwähnte dabei Sachen wie Semi-Entscheidbarkeit, den Gilmore-Algorithmus und natürlich die Herbrandexpansion in Verbindung mit dem Herbranduniversum. Nachdem ich ihm erklärt hatte, wie man damit die Unerfüllbarkeit einer unerfüllbare Formel nachweisen kann, war er sichtlich zufrieden. Wäre es nach Ubo Visser gegangen, hätte die Prüfung nach 20 Minuten hier bereits ein Ende gefunden, doch Sven wollte noch von mir wissen, wie Entscheidungsbaumlernen funktioniert. In knappen 7 Minuten erklärte ich ihnen wie prinzipiell ein Entscheidungsbaum aussieht, welche Komplexität er hat, welche Formeln man durch ihn lernen kann und darüberhinaus noch was aussagenlogisches Lernen ist, was ein Trainingsset ist und wie man die Effizienz durch eine Lernkurve nachweisen kann.

Die abschließende Frage von Ubo „Wozu lernt man oder wozu braucht man Lernalgorithmen“ beantwortete ich (sinngemäß) mit „Lernen hat den Zweck sich in unbekannten, fremden Umgebungen zurechtzufinden und ggf. neues Wissen aufzubauen um sich später wieder dort zurechtzufinden“. Glücklicherweise war er mit der Antwort dermaßen zufrieden, dass er nichts mehr über Neuronale Netze oder Planen bzw. Agieren wissen wollte. Wie üblich musste ich kurze Zeit draußen warten und wurde nach etwa 15 Sekunden wieder herein gerufen und hatte bestanden.

Und seitdem mache ich nichts, absolut nichts. Es ist eine Freude sondergleichen einfach den ganzen Tag mit gammeln verbringen zu können. Für alle die aber jetzt auch unbedingt Methoden oder ähnliches der KI lernen wollen, kann ich nur sagen AntMe!.

P.S. Saufen!

1 Kommentar zu „Abschluss der Metamorphose

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