W:O:A 06 – Die Rückkehr des Königs

Kurz nach erfolgtem AufbauNach kurzem Dauertelefonieren und etlichen Sprints hinter vorbeigefahrenen Autos (inkl. Winken, Gröhlen und andersartigen Bewegungen) war es dann soweit: der Aufbau konnte beginnen. Im Nieselregen wurden 5 Zelte, 2 Pavillions, 1 Tisch, 7 Stühle und 1 bzw. fast 2 Grills aufgestellt. Ein guter Landmann-Grill hatte bereits zuvor ein Festival überstanden, damit er jedoch transportiert werden konnte, wurden kurzerhand die drei extrem stabilen Metallbeine eingeknickt. Wir Profis nennen dies Faltgrill. Auf diesem rollten dann die ersten Nürnberger Rostbratwürstchen hin und her und mitunter in die Kohle. Als echter Black-Metaller isst man diese jedoch auch.

Ein langer FußwegBewaffnet mit einem Hering voller kleiner Würstchen, eine Flasche Bier in der Hand und eine in der Tasche pilgerten die Anwesenden (mich eingeschlossen) dann voller Erwartung Richtung Gelände. Dort angekommen wurde die teuer erstandene Karte entwertet und das schwarz-weiße Wacken Wristband in Empfang genommen. Im Normalfall wird dieses über das Handgelenk gestreift und mit einem Metallriemen versehen, welcher mit einer Art Stanze zugekniffen wird, damit das Band sich nicht öffnet. Es gab ziemlich entsetzte Gesichter, als mein Bruder im Moment des Stanzes plötzlich lauthals anfing „aaaaaahhhrrrr“ zu schreien. Der Puls des „Stanzers“ schnellte auf etwa 200 hoch und Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, bis mein Bruder sagte: „Du hast ein Armhaar getroffen.“ Herzhaft lachend wanden wir uns dann auch wieder vom Gelände ab, um zu unseren Zelten zurückzukehren (welch ein Fußmarsch jedes mal). Dort angekommen machten wir uns mit den Nachbarn bekannt (oder besser gesagt der Ollinger belästigte jene). So waren wir dieses Jahr von ein paar Hamburgern (wir sangen zur Begrüßung: „Ihr seid Scheisse, wie der HSV!“), Nienburgern und Düsseldorfern bzw. Kölnern umgeben. Eine der Düsseldorferinnen (ich glaube sie heißt Sonja) gab sich anfangs als Norwegerin aus, weshalb wir uns auf gebrochenem Englisch verständigten. Es bleibt festzuhalten, dass Gummistiefel auf Englisch nicht „rubber boots“ heißen.

Finger of SteelFür mich sollte der Mittwoch Abend, an dem keine Live Auftritte von Heavy Metal Bands stattfinden, noch zu einem besonderen Erlebnis werden. Nachdem wir gegen Nachmittag mit dem Grillen diverser Fleischbrocken fertig waren und diese genüsslich mit Senf (ja, Senf ist Krieg!) und Heinz (wer den J.B.O. Vorgänger kennt: „you all hate Ketchup, but we all love Heinz!“) Ketchup verspeisst hatten, gesellten wir uns teilweise zu den Nachbarn aus Nordrhein-Westfalen. Dort haben wir uns alle angeregt auf Englisch unterhalten, fleißig dem Alkohol gefröht und wie jedes Jahr diverse Stühle, die wir nicht unser Eigen nennen, zerstört (diesmal waren es 2). Gegen Abend und mit enormem Alkoholpegel war es mir gegönnt ein neues Bier zu öffnen. Da jedoch kein hierfür brauchbarer Gegenstand in greifbarer Nähe (und mein Gott, waren wir faul) war, musste eine zuvor geleerte Kurzenflasche herhalten. Wie das Schicksal es so wollte, öffnete sich mein Bier und mein linker Zeigefinger. In diesem steckte etwa die Hälfte des Flaschenhalses. Nachdem ich den Splitter sachgemäß entfernt und mein Bier geleert hatte, begab ich mich, in Begleitung von Sonja, zu den Sanitätern, da ich in der bis dahin vergangenen halben Stunde ziemlich viel Blut verloren hatte (diesmal kein Scherz).

Mambo KurtAuf dem Weg zu den Sanitätern verbrauchte ich noch etwa 3 Packungen Taschentücher. NEIN, nicht das was hier jetzt manche denken. Sie wurden nur zum Auffangen von Blut verwendet. Im weißen Zelt, ausgestattet mit diversen Feldbetten, literweise Oktenisept, Handschuhen und allem was man noch für Notfälle benötigt, wurde ich herzhaft von meiner Lieblingssanitäterin Wiebke betreut. Nachdem sie die Wunde gereinigt und ein wenig desinfiziert hatte, kam auch schon der Notarzt und sah sich besorgt meinen Finger an. Behutsam (und das ist keine Ironie) drückte dieser an allen möglichen Stellen an meinem Finger rum, bis kaum noch Blut herauskam. Erneutes Reinigen und ein wenig hin- und herbiegen sollte sicherstellen, dass keine Splitterreste in meinem Finger steckten. Die Frage nach einer lokalen Betäubung lehnte ich mit „Betäuben ist kein Heavy Metal“ ab, was der Arzt mit einem (sinngemäßen) „genau das habe ich erwartet“ erwiderte. 3 schnelle Stiche, wieder literweise Blut, einen Verband, ein Besuch bei den Spülklos und 20 Minuten Fußmarsch später, war ich wieder beim Zeltplatz angekommen, um dort mein nächstes Bier in Empfang zu nehmen. Fortan wurde ich von allen liebevoll als „elender Krüppel“ bezeichnet und präsentierte jedem voller Stolz meinen Finger of Steel. Der Abend ging dann auf der sog. W.E.T. Stage auf dem Gelände zu Ende, wo Mambo Kurt (Gott, der Mann ist Heavy Metal!) den Leuten mit Klassikern wie „Zu Spät“ von „Die Ärtze“ ordentlich einheizte.

Wacken-Kacken-Bilanz so weit: 1mal

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